Techniken der Ölmalerei. Lasieren

Ölmalerei Techinken. Die häufigsten und bekanntesten Techniken der Ölmalerei sind die Lasur, das Malen mit dem Spachtel und mit deckenden Farben, die Nass-in-Nass-Technik und die Primamalerei. Mit weniger bekannten Maltechniken, wie der Kratz-Technik, der Reibe-Technik, dem Krakelüren, der Punktierung und der Komplementärmalerei lassen sich ebenfalls eindrucksvolle Effekte erzielen.

Lasieren
Die Ölmalerei eignet sich hervorragend für das Malen mit Lasuren. Bei dieser Maltechnik, die von den alten venezianischen Meistern entwickelt wurde und den Beinamen venezianische Manier trägt, werden feine Schichten transparenter, stark verdünnter Farbe aufgetragen. Unter Lichteinfall erhält das Kunstwerk später eine einzigartige Leuchtkraft.

Die Lasurmalerei unterscheidet sich von der Alla Prima Malerei, der geläufigen Öl- und Acrylmalerei mit pastosem Farbauftrag, vor allem durch ihre Schichtentechnik. Dünne, durchscheinende Farblagen werden in einem langsamen Prozess übereinander gelegt. Die Farbschichten bleiben weitgehend transparent und korrespondieren miteinander. Man spricht hier auch beim Malen mit Öl vom Lasieren.

Die besondere Leuchtkraft der Bilder stammt von der Reflexion des Lichtes von der untersten nicht transparenten Farbschicht, die häufig die Grundierung des Bildträgers ist. Die sichtbare Farbe entsteht als subtraktive Mischung aller Schichten in Verbindung mit der letzten, obersten Farblage. Die Leuchtkraft der Bilder bleibt sehr lange erhalten, wie die Werke des ausgehenden Mittelalters und der Renaissance bezeugen.

Die Lasierende Ölmaltechnik fand zum Beispiel Anwendung in der alten Maltechnik, bei der eine Trennung von Form und Farbe stattfand.

Geduld – die Mutter beim Lasieren mit Öl)

Die Lasurtechnik ist nur etwas für geduldige Künstler, die auch weitgehend auf die „Handschrift“ des Pinsels verzichten. Die Schichten können, von Ausnahmen abgesehen, nur über bereits getrockneten Farblagen gemalt werden, damit sich die Pigmente nicht unkontrolliert vermischen.

Die volle Wirkung erzielen Maler, die die Wirkung der Farbschichten auf das Licht im Sinne der Farbenlehren steuern können. Denn jede Lage einer Lasur nimmt dem Licht, je nach Pigmentdichte unterschiedlich stark, die Anteile der Komplementärfarbe durch Absorption weg.

Geht man von einem reinen Weiß als Farbe des Malgrundes aus, erscheint im Auge des Betrachters eine sogenannte Sekundärfarbe sobald sich die Absorptionen der primären Farbschichten verbinden. Würde man die Primärfarben – technisch gesprochen Gelb, Magenta (Rot) und Cyan (Blau) – gleich stark übereinander lasieren, entstünde theoretisch Schwarz. In der Praxis würde aber die „Nichtfarbe“ Schwarz zumindest den Schimmer der obersten Lasurschicht als Reflexion wiedergeben.

Vorsicht!
Zu viele „ungünstige“ Lasurschichten verdüstern ein Bild, nehmen ihm die Strahlkraft der in der Lasurtechnik innewohnenden Eigenheit. Die Brillanz der Farbe, das geheimnisvolle Leuchten, geht verloren. Nur die unterste Schicht darf aus dieser Überlegung aus reiner, nicht transparenter Ölfarbe bestehen, außer man bezieht wie die Altmeister die Grundierung als farbtongebend mit ein. In der Spätgotik wurde zum Beispiel ein hellblauer kreidiger Grund angelegt, auf dem die Malerei dann aufbaute. Dieses Blau gab den darüber liegenden Schichten dann ihre besondere Brillanz.

Tipps zum Lasieren mit Öl

Wie viele Schichten Ölfarbe ein Künstler lasierend übereinander malen will, bleibt ihm überlassen. Die sogenannten Alten Meister beließen es selten unter dreißig Lasuren, und Untersuchungen haben gezeigt, dass selbst über hundert vorkamen. Die notwendigen Trocknungen zwangen dazu, dass in historischen Ateliers meist eine Reihe von Bildern gleichzeitig angefertigt wurde, dass Malstuben zumindest teilweise nur als Werkstätten betrieben werden konnten.

Die Lasurmalerei muss jeweils nicht gleich das ganze Format umfassen. Partien oder Details können problemlos einzeln behandelt werden. Es ist auch kein Verstoß gegen die Regeln der Kunst, Lasurtechnik mit pastoser Ölfarbe zu überarbeiten. Sollte eine Partie misslungen erscheinen, kann auch mit einer Schicht aus nicht transparentem Deckweiß oder mit intensivem Pigmentanteil der Farbaufbau neu gestartet werden. Wichtig ist aber immer, dass fett auf mager gearbeitet werden muss. Die zu bemalende Schicht sollt unbedingt getrocknet sein, bevor sie wieder übermalt wird. Die Verwendung von modernen Acrylfarben ist problematisch, da sie selbst ausgedünnt einen starken Deckungsgrad erzeugen, sofern dies vom Maler nicht erwünscht ist.

Lasurmalerei mit Ölfarbe

Altmeisterlich ist die Bereitung der Farben aus reinen, meist mineralischen Pigmenten, die sehr teuer sein können. Zumeist „behilft“ man sich mit Ölfarbe aus der Tube. Die Hersteller informieren dabei über Deckungsgrad und Lichtechtheit. Mit Terpentinöl und Harzen wird die Farbe auf den erwünschten Deckungsgrad angemischt bzw. verdünnt. Eine Probe auf einem reinweißen Grund gibt Auskunft über die Wirkung der Lasurschicht. So kann auch kontrolliert werden, ob nicht transparente Beimischungen wirksam werden. Die Entscheidung des Transparenzgrades liegt beim Künstler. Er kann sie mit unterschiedlichen Beigaben von Weiß steuern oder ganz unterbinden.

Malmittel

Egal, ob es sich um modernen Lasurmalerei oder um die klassische Technik handelt. Es kommen nur wenig Materiale in Frage. Terpentinöl, bevorzugt Balsam-Terpentin zur Verdünnung, und Dammarharz oder Mastix zur Festigung sind die Pigmentträger. Altmeisterlich ist dagegen die sogenannte Eitempera. Sie verwendet normales frisches Vollei. Ein bewährtes Rezept ist die Eigenherstellung aus je einem Teil Ei, Leinöl oder Leinölfirnis, Dammar oder Mastix und Wasser. Die Feinheiten über die Zubereitungen blieben zumeist sogenanntes Werkstattgeheimnis.

Höhungen beim Lasieren mit Öl

Im Gegensatz zur pastosen Ölmalerei (Alla Prima) kann ein Bild in Lasurtechnik nicht gehöht werden, zumindest nicht, ohne dass es auffällt, oder der Künstler dies beabsichtigt. Die hellsten, also leuchtenden Stellen müssen in der Schichtentechnik also sehr sparsam bemalt werden. Das Hell in der Lasurtechnik kommt ja aus dem Untergrund. Daher dürfen solche Partien, die hell bleiben sollen, nur sehr dünn mit stark ausgemischtem Pigment übermalt werden oder völlig ausgespart bleiben

Eitempera, der Klassiker der Ölmalerei

Mit ihr begann nördlich der Alpen gegen 1400 die Revolution der Maltechnik, die den Brüdern van Eyck und ihrem Umkreis zugerechnet wird. Die neue Technik des lasierenden Malens ersetzte die mittelalterlich-byzantinische Malerei vom Dunkel ins Helle mit deckenden Farben.

Bei der „neuen“ Ölmalerei werden die Pigmente – modern die Tubenfarbe – mit Kasein, Leinöl und normalem Eiweiß gemischt. Als Verdünnungsmittel dient Wasser, möglichst entmineralisiert oder destilliert. Die untersten Schichten sollten möglichst geringen Anteil an Bindemitteln haben, der nach oben gesteigert werden kann. Das Prinzip Fett auf Mager, diese wohlgemerkt geringfügige Steigerung, trägt zur Stabilität der Malerei bei. Die Farbe runzelt nicht. Der gute Erhaltungszustand von Bildern alter Meister beweist das. Versuche mit neuen Bindemitteln, insbesondere gegen Ende des 19. Jahrhunderts, aber auch bei Künstlern der Klassischen Moderne, haben zu katastrophalen Ergebnissen geführt, an denen selbst die besten Restauratoren verzweifeln.

Die Geduld ist nicht nur die Mutter der Lasurmalerei sondern auch ihr Geheimnis. Das sollte man stets beim Lasieren mit Öl im Kopf bewahren.


 

Quelle

 http://www.kunstkurs-online.de/Seiten/oel-und-acryl/technik-oel-lasieren.php

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