Akademische Kunst

Die Akademische Kunst, auch Akademischer Realismus oder Akademismus, seltener Akademizismus genannt, war ein europäischer Kunststil vom 17. bis zum 19. Jahrhundert. Er legte seinen Schwerpunkt auf die strenge Einhaltung der formalen technischen und ästhetischen Regeln der Kunstakademien.

Zur Akademischen Kunst gerechnet werden Gemälde und Skulpturen, die unter dem Einfluss der europäischen Akademien entstanden sind, an denen viele Künstler dieser Zeit ihre formale Ausbildung erhielten. Die Akademische Kunst legte sich auf einen überwiegend literarisch, mythologisch und historisch motivierten Kanon zulässiger bzw. erwünschter Themen fest. Ihre Künstler zeigten kein Interesse an der Darstellung des Alltäglichen oder Profanen. Somit ist die Akademische Kunst nicht realistisch, sondern idealistisch.

Stilistisch pflegte die Akademische Kunst das seit Aristoteles bestehende Ideal der perfekten und zugleich selektiven Wirklichkeitsnachahmung (Mimesis). Mit großer Beherrschung von Farbe, Licht und Schatten wurden Formen quasi-fotorealistisch herausgearbeitet. Bei manchen Gemälden zeigt sich ein „poliertes Finish“, bei dem man am fertigen Werk keinen Pinselstrich mehr erkennen kann. Dieses Kunstideal wurde Mitte des 19. Jahrhunderts durch die Erfindung der Fotografie in den Grundfesten erschüttert.

Besonders prägend für den Stil war die französische École des Beaux-Arts, die unter dem Einfluss des Neoklassizismus und der Romantik stand. Die Akademische Kunst späterer Zeit synthetisierte diese beiden Stilrichtungen, was man sehr gut an den Gemälden von William Adolphe Bouguereau, Thomas Couture und Hans Makart erkennen kann.

Mit dem Aufkommen späterer Kunststile, insbesondere des Impressionismus, wurde die Akademische Kunst als „Eklektizismus“ verachtet und abgetan. Für den Kunstmarkt und kommerziell orientierte Maler galt sie insofern als wenig lukrativ, als hohe Kunstfertigkeit und vor allem ein hoher zeitlicher Aufwand vonnöten waren. Von Anfang bis Ende des 20. Jahrhunderts galt sie den meisten Kunstexperten als nicht beachtenswert, fand deshalb kaum Erwähnung und verschwand in den Depots der Museen; gelegentlich nannte man sie abschätzig „art pompier“[1]. Wenige zumeist ältere Künstler blieben der akademischen Malweise bis in die 1960er Jahre treu.

Erst in den 1990er Jahren wurde sie nach und nach „wiederentdeckt“ und erlangt seither wieder zunehmend Wertschätzung. Während die Malerei, indem sie ihre eigenen Voraussetzungen reflektierte und in Frage stellte, eigene Wege ging, setzte vor allem der historische Film, insbesondere der Sandalenfilm, die Lust des Akademismus an der Rekonstruktion des Vergangenen fort.

Beispiele:

Alexandre Cabanel (1823-1889)

Gustave Clarence Rodolphe Franz Boulanger (1824-1888)

Jean-Léon Gérôme (1824-1904)

Carl Theodor von Piloty (1826 – 1886)

Fyodor Andreyevich Bronnikov (1827-1902)

Edwin Longsden Long (1829-1891)

Frederic 1st Baron Leighton (1830-1896)

Sir Edward John Poynter (1836-1919)

Lawrence Alma-Tadema (1836-1912)

Jean-Paul Laurens (1838-1921)

Hans Makart (1840-1884)

Henryk Hector Siemiradzki (1843-1902)

Frederick Arthur Bridgman (1847-1928)

Francisco Pradilla Ortiz (1848-1921)

John William Waterhouse (1849-1917)

John Collier (1850-1934)

Edmund Blair-Leighton (1853-1922)

John William Godward (1861-1922)

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